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"Men are heartless. They take no thought

- whether for the living nor for the death.

Life goes its own way - just as if nothing had happened.

And nothing has happened, either. Only to us two."

Trauer ist etwas, das uns alle verbindet, die wir jedoch sehr individuell wahrnehmen und erleben. Mit einer Bearbeitung von Ibsen's Little Eyolf und gestützt durch Erfahrungsberichte von Betroffenen unserer Zeit,  eröffnet das neue Musiktheater Great open eyes einen Dialog über Trauer und Kindsverlust.

 

Verkörpert durch die fiktiven Charaktere der Allmers, Rita und Alfred, deren Sohn Eyolf ertrank, untersucht es in nicht linearer Erzählweise die unterschiedlichen Phasen der Trauer. Zur Reflektionsmetapher der Verlustverarbeitung der Eltern wird Eyolfs letzte Begegnung mit der Rat-wife, die ähnlich dem Rattenfänger von Hameln Ratten von dem Hass der Bewohner erlöst. In episodischer Struktur rund um diese Traumvision werden die emotionalen Seelenwelten der beiden Eltern freigelegt. Diese  beschäftigen sich mit Schuld, Hilflosigkeit, Wut, Verleugnung, Vorahnungen und Verdrängtem. Es entsteht eine kreisförmig angeordnete Bühnenwelt, die  durch das Auge von Little Eyolf inspiriert ist. In der zentralen Spielfläche, der Iris, befindet sich ein mit Erde gefüllter Pool, aus dem Eyolf und die Rat-Wife auf- und abtauchen.  Das Orchester und Publikum umgeben die Bühne rundum und agieren als integrierter Teil der Szenen- und Klangkulisse mit optischen und akustischen Impulsen. Ihnen und dem Fortschreiten der Zeit können  die Eltern nicht entkommen. Der schmale Bereich um den Pool und drei Stege, die in das Orchester reichen, sind der Raum, indem sich die Eltern mit  ihrer Trauer, Selbstreflektion und der Erwartungshaltung der Außenwelt auseinandersetzen. Über den Köpfen schwebt ein Spiegel, der alle Ebenen in einem verzerrten Bild zusammenführt.

 

Great open eyes ist für das Umsetzen und Entwicklung an mindestens drei unterschiedlichen Orten in Kooperation mit deren Operninstitutionen konzipiert. Der Prozess beginnt mit der Durchführung von Interviews mit lokalen Betroffen. Die Kontaktaufnahme erfolgt über Partnerschaften mit Kirchen, Seelsorge-Gruppen und Psychotherapeuten. Aus den aufgezeichneten Interviews werden Erfahrungskonsente gezogen. Hierbei liegt der Fokus auf Gemeinsamkeiten in der Trauerverarbeitung und nicht auf dem Wiedergeben und Wiedererkennen individueller Schicksale. Die Interviews fließen in das Libretto und damit den künstlerischen Prozess ein. Zudem sind sie Teil einer begehbaren 15-minütigen Klang und Videoinstallation, die man individuell vor und nach der Vorstellung erleben kann. 

Kreatives Team

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Manuel Zwerger

Komposition

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Penda Diouf

Libretto

Carmen C. Kruse

Carmen C. Kruse

Regie

Valentin Mattka

Valentin Mattka

Bühnenbild

Ulf Brauner

Ulf Brauner

Kostümbild

Manuel Zwerger

Der Südtiroler Komponist studierte Komposition am Konservatorium in Innsbruck und an der Royal Academy of Music in Århus. In seiner Arbeit strebt er nach interdisziplinäre Zusammenarbeit und Erforschung von Klang, Szene, Bewegung und Bühne. Seine Werke wurden u.a. mit dem Ensemble Modern, Windkraft – Kapelle für neue Musik, Ensemble chromoson, Ensemble airborne extended, Tiroler Kammerorchester Innstrumenti und dem Streichorchester Sonarkraft in Argentinien, Russland, der Türkei und Europa aufgeführt. Er ist Stipendiat der Akademie Musiktheater heute, des Richard-Wagner-Verbandes Wien und erhielt das Hilde-Zach-Kompositionsförderstipendiums der Stadt Innsbruck. www.manuelzwerger.com

Penda Diouf

Penda Diouf ist Theaterautorin, Librettistin und Mitgründerin des Labels Jeunes Textes en Liberté zusammen mit Anthony Thibault. Als wanderndes Theaterfestival fördert es Autoren des zeitgenössischen Theaters und bemüht sich, Lücken in Repräsentation und Erzählung zu schließen. Sie ist Associate Artist am Centre dramatique national de Valence unter der Leitung von Marc Lainé und gibt regelmäßig Schreibworkshops. Ihr Stück La Grande Ourse wird bei Quartett éditions verlegt, während ihr im Januar 2021 veröffentlichtes Stück Pistes ... in einer Inszenierung von Aristide Tarnagda im Rahmen des Festival d'Automne 2020/21 durch Deutschland und Frankreich tourt. Diouf war zehn Jahre lang Direktorin von vier Bibliotheken in Saint-Denis, Frankreich, und ist Präsident des Vereins Scènes appartagées, der Theaterlesungen im familiären Kontext fördert. Derzeit schreibt sie zwei Libretti für die Oper COURAGE, die beim Festival d'Aix-en-Provence im Juni 2021 uraufgeführt wurde.

Carmen C. Kruse 

Die österreichisch-deutsche Regisseurin konzentriert sich in ihrer Arbeit an neuen und Repertoirewerken darauf, Orte der Begegnung zu schaffen. Zusammen mit Manuel Zwerger schafft sie eine Reihe von Arbeiten, die die Beziehung zwischen neuem Musiktheater und Gemeinschaft untersuchen. Für ihr Musiktheater Tutte le ricette (t.i.p.) wurden sie 2019 mit dem CROSS Award ausgezeichnet. Kruse gab ihr Regiedebüt mit Cavallis L’Egisto beim Halifax Summer Opera Festival 2017. Es folgten Inszenierungen bei den Osterfestspielen Baden-Baden, am Staatstheater Mainz, und mit dem Ensemble Modern Frankfurt. Sie war Regie-Stipendiatin der Akademie Musiktheater heute (2017-19), der L’Académie du Festival d’Aix (2020) und des Directors Lab des Lincoln Center Theater, New York (2018). www.cckruse.com

 

Valentin Mattka

Valentin Mattka, 1988 in Mölln geboren, studierte Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Berlin Weissensee. Er ist als frei-schaffender Szenograf für Film und Oper tätig. Zuletzt setzte er Korngolds Die Tote Stadt (Regie: Luise Kautz) am Opernhaus Kiel in Szene und gestaltete gemeinsam mit R. Stange und T. Ullrich die Uraufführung von Cheng-Syrse-Tangians Die Nacht der Seeigel für die Oper Stabile der Hamburgischen Staatsoper. 2016-18 war Mattka Stipendiat der Akademie Musiktheater heute. 2020 ist er Bühnenbildner für La Juive (Regie: L. Kautz) am Opernhaus Kiel und Pierrot Lunaire (Regie: Barrie Kosky) an der Komischen Oper Berlin.

Ulf Brauner

Ulf Brauner studierte Modedesign an der Universität der Künste Berlin und der Tama Art University in Tokio. 2015 gewann er den European Fashion Award der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie und arbeitete anschliessend in der Modebranche. 2017 entwarf er in Zusammenarbeit mit Josa Marx das Kostümbild für Medea (Regie: Lucia Bihler) am Theater Lübeck. 2018/19 folgten Kostümbilder zur Leseserie Das Leben des Vernon Subutex (Einrichtung: Bastian Boß) und Café Populaire (Regie: Anja Schoenwald) am Schauspiel Stuttgart. 2020 entstanden Kostümbilder für die Lesung Trauer ist das Ding mit Federn und der zehnteiligen Inszenierung für den digitalen Raum Dekalog (Regie:  Christopher Rüping) am Schauspielhaus Zürich.

Impressionen

For more information, please contact mcarnovali@cocreations.eu